Snowboarder vor Heim-Weltmeisterschaft in der Krise

Quelle: Kleine Zeitung vom 10.12.2010, Redakteur:  CHRISTOPH HEIGL
Referat aufgelassen, massive Kürzungen: Fünf Jahre vor der Heim-WM am Kreischberg brodelt es. Die Lipizzaner wollen nach Kärnten.

Mit Marion Kreiner hat die Steiermark eine Weltmeisterin und Olympia-Bronzene. "Dahinter treten wir am Stand", findet Verbandsboss Lexer

Mit Marion Kreiner hat die Steiermark eine Weltmeisterin und Olympia-Bronzene. "Dahinter treten wir am Stand", findet Verbandsboss Lexer

Im Jahr 2015 wird auf dem Kreischberg die Weltmeisterschaft der Snowboarder ausgetragen. Ein Grund, den Sport bis dahin mit vollem Eifer zu pushen. Findet zumindest Bernd Wieser, Präsident des Lipizzanerteams aus Köflach. „Aber wenn es so weitergeht, ist Snowboard in der Steiermark bald tot“, klagt er.

Was ihn wurmt: Der steirische Verband hat das Snowboardreferat heuer abgeschafft. „Wir sind jetzt mit Gras-Schi und Schi-Freestyle in der Kategorie ,Trendsport‘. Und das als olympischer Sport!“, ärgert sich Wieser. Gras-Schi-Referent Gottfried Wolfsberger (Wieser: „Gott sei Dank ein engagierter Mann“) ist oberster steirischer Boarder. Die Förderungen wurden von 17.000 auf 10.000 Euro gekürzt (Vergleich: Kärnten hat 50.000), den Landeskader gibt es nur am Papier.

In Eigenregie

Das Problem: Mit den „Lipizzanern“ und den Kreisch-Indios aus Murau existieren nur zwei Snowboardvereine. „Aber wir sind im Nachwuchs top“, erzählt Wieser von -zig Jugendtiteln seiner Athleten und Top-3-Plätzen im Europacup, etwa von Sebastian Kislinger. Wieser, als Zahnarzt in Graz tätig und seit 21 Jahren begeisterter Boarder und Trainer (bis Sommer auch Landeskadertrainer), hat das Meiste in Eigenregie aufgestellt und finanziert. Der 51-Jährige fühlt sich als „Revoluzzer, der gebremst wird“. Vor allem bei seinem nächsten Projekt: Weil er in der Steiermark, „im angeblichen Sportland Nummer eins“, nicht gewollt wird, wird er einen zweiten Lipizzaner-Verein in Kärnten (Wolfsberg) gründen. „Es bleibt mir leider nichts anderes übrig, als den talentierten Steirern die tolle Infrastruktur von Kärnten zu bieten.“

Umbruchphase

Die Antwort des steirischen Verbandes kann man sich denken. „Er bekommt keine Freigabe für Kärnten“, stellt Helmuth Lexer unmissverständlich klar. Als steirischer Verbandspräsident gesteht er aber ein: „Die Struktur im Snowboardbereich ist nicht optimal, aber wir sind in einer Umbruchphase und müssen die Saison überbrücken. Herr Wieser hat zum Teil recht, aber er muss das zur Kenntnis nehmen.“ Der Schulsport funktioniere bestens, der Leistungssport gar nicht. Und das, obwohl mit der Grazerin Marion Kreiner eine Weltmeisterin und Bronzene von Olympia 2010 als Zugpferd vorhanden ist. „Aber dahinter treten wir am Stand, deshalb sind wir nach einem Vorstandsbeschluss mit den Strukturen zurückgefahren. Man muss abwarten, wie sich der Sport entwickelt. Wenn keine Leistungen da sind, kann der Verband das nicht abdecken.“ Das müssen Vereine, Schulen und das Leistungszentrum Schladming machen. Lexer: „Der Verband kann jetzt keine großen Sprünge machen, aber die WM ist für uns Motor und Motivation.“

Bericht übernommen von CHRISTOPH HEIGL von der Kleinen Zeitung

Related Posts