Trainingslager auf Paros

Trainingslager auf Paros oder: Der Ort, wo man gerne trainiert, sogar sehr gerne – 28.8.- 3.9 06

Erstmals und durchaus als Experiment gedacht, haben wir uns entschlossen, die „älteren“ Nachwuchsläufer des Lipizzanerteams zu uns nach Paros einzuladen.

Es ging ums nähere Kennenlernen über die Generationsgrenzen hinweg innerhalb unseres noch jungen Vereins, aber auch um Überprüfung der athletischen Befindlichkeiten nach 3 Monaten Aufbautraining im Frühjahr und Sommer. Weiters stand koordinatives Schulen durch das Erlernen neuer Sportarten (Kiten, Monoski, Wakeboarden) als Hauptschwerpunkt auf dem Programm.

 Mit von der Partie waren Andrea Minarik, Sebastian Kislinger und David Petanjek. Gerli Offenmüller musste leider absagen, da sie ihrem Team beim geländereiten bei den österreichischen Meisterschaften zu stark gefehlt hätte.

 Nach nächtlicher Anreise via Bratislava und Athen landete die Truppe mit meiner Frau Conny müde aber bester Laune in Paros. Die Jugend übertauchte die Müdigkeit im Pool und am Liegestuhl überraschend souverän, sodaß noch eine Biketour angesgt war. Diese führte zufällig noch an der Watersportzone von unserem Freund Dimitris Kourtelis vorbei.

 David und Sebastian zeigten auf dem Wakeboard bei letztem Tageslicht, dass sie mit jedem Brett unter den Füßen hervorragend zurechtkommen. Das Heimradeln mit nasser Hose im Halbdunkel fiel unter „erweiterte Koordinationsübung“.

 Da uns der erhoffte Meltemi noch 2 Tage im Stich ließ, war uns neben Biken, Seiltanzen und Rumpfstabilisierung der Monoski unter die Füße  „gewachsen“. Aus eigener Erfahrung ist der Monoski für Racer ein weit besseres Alternativgerät als das Wakeboard, welches wiederum für Freestyler ein ideales Ausgleichgerät darstellt.

 Der Mono verlangt zentrales Stehen und das Fahren von Kante zu Kante in gecurvten Turns, während das Wakeboard hauptsächlich dazu dient, über der Heckwelle seine Airs zu zaubern.  Nachdem für alle drei Youngsters der Mono völliges Neuland war, erfolgte eine kurze Trockeneinweisung durch Joannis (Waterskipro), der einfach nicht glauben wollte, dass die Herrschaften gleich mit einem statt wie üblich mit zwei Schiern aufs Wasser wollen. Das lag wohl daran, dass wir seinen Ski gleich als Board betrachteten, und wer fährt schon mit zwei Boards gleichzeitig.

Der Beginn erfolgt an einer seitlich am Boot befestigten Stange, dann am kurzen Seil ebendort und schlussendlich am langen Seil hinter dem Boot. Üblicherweise landet man dort erst nach ca 10 – 15 Lessons und um ein halbes Kesslerboard „ärmer“. Zeit und Geld waren nicht vorhanden, daher musste ich Joannis durch eine Wette überzeugen: Ein Abendessen, dass alle drei am ersten Tag mit Monoski am langen Seil fahren.

 Andrea machte den Anfang: 2 Starts an der Stange, 2 Starts am kurzen Seil, ein (!!!!) Start am langen Seil, die ersten Turns! Mit trockenen Haaren rein – mit trockenen wieder raus. Joannis’ offener Mund erhöhte den Spritverbrauch!

 David: 2 Starts an der Stange, einer am kurzen Seil, drei am langen Seil , auch er lachte nach 10 Min in Joannis’ Rückspiegel. Der Spritverbrauch stieg erneut überdurchschnittlich!

 Sebastian: 2 Starts an der Stange, 2 Starts am kurzen Seil, 6 Starts am langen (Andrea hatte die Burschen unter Druck gesetzt), dafür gute Turns.

 Joannis hatte feuchte Augen:  “I will never forget this day in my life”. Ich sicher auch nicht. Das Essen fand  in griechischer Sportlerrunde statt und war geprägt von Joannis’ ausschmückenden Erzählungen über die speziellen Haare österreichischer Mädels, daß diese unerklärlich den Spritverbrauch  beeinflussen, und dass Lipizzaner eine Pferderasse sind, die mit Schiern zur Welt kommen.

 Endlich Wind!

 Kiten ist eine junge Sportart, die durch schwere Unfälle in der Pionierzeit noch einen schlechten Ruf genießt. Doch Materialverbesserungen und systematische Schulungsmethoden haben zu einem deutlichen Rückgang der schweren Unfälle geführt. Trotzdem sind überdurchschnittliche Konzentration und solides Wissen der Gefahrenkomponenten  Grundvoraussetzungen beim Erlernen dieser wunderschönen Sportart.

 Paros genießt unter Windsurfern einen guten Ruf, aber für Kiter ist es einer der besten Spots in Europa. So machte auch heuer im Juli der Worldcup wieder Station in Paros, genauer gesagt am Poundabeach.

 Nachdem ich nach 20 Jahren Windsurfen auch erst heuer von diesem neuen Virus infiziert wurde, war es logisch, dass ich auch die jungen Lipizzaner anstecken wollte. Sebastian kam mir zuvor: Er hatte einen Kitekurs auf seiner Maturareise gewonnen, nachdem er dort den ersten Platz in einem Wakeboardbewerb errang. Allerdings kam er mit nur 2 Tagen „Vorsprung“ vom Neusiedlersee nach Paros. Andrea und David waren totale Anfänger.

 Der Kitespot, an dem auch 2 Schulen liegen (wobei nur die südlichere absolut zu empfehlen ist), hat nur einen Fehler: Er liegt 30 km diagonal entfernt von unserem Haus auf der anderen Seite der Insel.

Dies bedeutete 30km Biken morgens als ideales Aufwärmen. Während Andrea und David am ersten Tag durch die trockene Theorie und an den kleinen Übungskite mussten, geigte Sebastian bei 6 Windstärken im Lipizzanerstyle: „ short teaching – fast progress“ Keiner der Locals wollte mit mir über den künftigen Fortschritt von David und Andrea wetten, nachdem Sebastian begann zwischen 1. und 2. Stock „herumzuexperimentieren“.

Die nächsten 2 Tage brachten Wind zwischen 6 u 8 bft und eine 3m Welle in Tsoukalia auf der Ost-Seite der Insel. Der alte Herr ging zum Surfen und die Jugend  mit dem Rad zum Kiten. Was in diesen 2 Tagen die Lipizzanerjugend am Kitestrand genau tat, erfuhr ich nur durchs Hörensagen über die Locals. Jedenfalls waren sie froh, nicht mit mir gewettet zu haben. Ich hatte jedenfalls zwei big days in der Welle und schlief beim Abendessen ein.

 Der Samstag wurde von mir genutzt, Sebastian mit in die Welle zu nehmen, nachdem wir ein zweites Wellenboard organisiert hatten. Für einen Gardasee–Surfer kann dies durchaus spannend werden. Leider hatte sich die Welle schon zur Hälfte abgebaut an diesem Morgen. Für ein paar Frontloops von Sebastian reichte es trotzdem; ab aufs Rad – 35 km um die Insel, um noch schnell 2 Stunden am Kite zu turnen.

 Als ich mit dem Auto nachkam, sah ich mit Stolz Andrea und David voll infiziert vom Kitevirus übers Wasser bügeln, obwohl Andrea einen wüsten „Abgang“ hinter sich hatte.

 Sportliches Resümee der Woche: Drei junge Boarder haben athletisch die Hausaufgaben im Frühjahr und Sommer erfüllt, sind koordinativ Spitzenklasse und kognitiv phänomenal.

 Als uns die Jungen sonntags verließen, spürten Conny und ich jene melancholische Stille im Haus, die immer dann Einzug hält, wenn die eigenen Kinder, auf die man zurecht Stolz sein kann, weil sie besonders charakterlich vorbildlich „gelungen“ sind, nach ein paar Tagen zuhause sich wieder verabschiedet haben, um ihre eigenen Wege zielstrebig zu gehen. Uns bleibt nur, den Eltern dieser drei jungen Menschen zu gratulieren.

 Das Experiment „Lipizzaner-Younsters“ auf Paros kann von uns als Gastgeber als höchst gelungen bezeichnet werden, wobei dies am wenigsten mit den Rennergebnissen des kommenden Winters zu tun hat.

 Hang loose meet friends

bernd  & conny wieser

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