3 Masters mit ihren Drachen auf “ Pilgerreise“

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Hanspeter Kollegger, Alfred Pischler und ich gingen auf unsere jährliche Flugwoche in die Abruzzen , um zu fühlen, wie man eine Woche ohne Dach über dem Kopf, ohne fliessendes Wasser und heimischen Herd das Älterwerden verzögern kann.
Die ersten beiden Tage am  Monte Cucco brachten herrliche Flüge, wobei die beiden Routiniers mir mental und praktisch wie immer zur Seite standen.
Die reduzierte Körperpflege wurde durch konsequentes Belüften in freier Thermik kaschiert.
Am dritten Tag wurden wir durch stürmisches Bergwetter zu einer  Programmänderung gezwungen und begaben uns auf ein „Pilgerfahrt“ in die „Ewige Stadt“ am Tiber, nicht ohne vorher die Verhältnisse am Monte Subasio über Assisi gecheckt zu haben. Leider war dieser Berg auch dieses Jahr wetterbedingt für uns nicht fliegbar.
30 km vor Rom verschlug es uns in eine typisch italienische Kleinstadt, deren Mittelpunkt zweifelsfrei eine kleine Enoteca war, in der wir den sehr guten lokalen Tropfen mit der bekannten weststeirischen Fliegerkonsequenz „begutachteten“, sodaß wir auch hier nach nur einem Abend unter den gleich durstigen Locals zum Stadtgespräch avancierten. Gut gemeint wurde uns zu später Stunde noch ein halbprivates 3- Bettzimmer vermittelt, welches durch die vom guten Roten bedingten selbstproduzierten Geräusche insbesondere für Alfred zu einem akustischen Desaster wurde.
Der Morgen brachte uns mit der S-Bahn bequem ins Zentrum jener Stadt, die über mehr als einem halben Jahrhundert einem Weltreich vorstand, und in welcher ein kleiner Staat derzeit von einem argentinischen Priester regiert wird, der sich dem jahrtausendalten kirchlichen Pomp bisher erfolgreich verweigert und nebenbei in der“Vatikanbank“ mit nebulösen Finanzgeschäften aufräumt! Sollte ihm dies auch an der Wallstreet und der City of London gelingen, dann würde ich meine Ministrantenjahre als äußerst sinnvoll investierte Zeit betrachten.
Leider wurde uns der Zugang zum größten Kirchenbau der Welt ironischerweise durch eine Audienz am Petersplatz durch oben genannten Argentinier unmöglich gemacht. Als Flieger lag es nahe, die Stadt von oben zu betrachten,indem wir aus dem 1.Stock eines Touristenbusses wieder gut belüftet den Überblick behielten und staunend über die Besuchermassen Collosseum, Circus Maximus und Trevibrunnen besuchten.
Die abendliche Rückkehr in unsere Enoteca brachte leberschonend nicht das übliche Finale, da wir noch in der Nacht zurück in die Berge  fuhren und am finsteren Landeplatz der TrePizzi unser Nachtlager aufschlugen, in der Hoffnung, dass der angesagte Nordwind den nächsten Flugtag ermöglicht.
Bei bestem Flugwetter wachten wir leider auf einer Landing-Zone auf, welche durch frische Ackerfurchen derart dezimiert wurde, daß ein gesichertes Landen mit dem Drachen schwer vorstellbar erschien, insbesondere weil wir die oft drehenden Winde am Landeplatz aus den Vorjahren kannten.
Kurz entschlossen disponierten wir um und erreichten am späten Nachmittag Gemona, wo Alfred und ich noch einen abendlichen Abgleiter vom Monte Curancan
genossen.
Hanspeter zeigte am nächsten Tag seine ganze Routine und flog ein ganzes Stück ins Kanaltal Richtung Norden, während Alfred und ich bei schwieriger Thermik bald wieder am Landeplatz ein kühles Bier genossen mit dem Bewußtsein , diese offene Rechnung noch im kommenden Herbst begleichen zu wollen.

hang loose
Bernd Wieser

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